Frisches Obstholz aus dem Herbstschnitt: So wird aus Apfel und Zwetschge eine Schale

Im Herbst klingelt bei uns öfter das Telefon als sonst. Nachbarn fällen einen alten Apfelbaum, im Schrebergarten muss eine morsche Zwetschge weichen, und irgendwer erinnert sich, dass in der Drechslerei doch Holz gebraucht wird. Wir sagen fast nie nein, denn Obstholz gehört zum Schönsten, was man auf die Bank spannen kann. Allerdings nur, wenn man in den ersten Tagen nach dem Fällen ein paar Dinge richtig macht.

Warum frisches Holz nicht warten kann

Ein frisch gefällter Stamm enthält sehr viel Wasser. Sobald er liegt, beginnt er zu trocknen, und zwar zuerst an den Hirnholzenden. Dort schrumpft das Holz schneller als im Inneren, es entstehen Spannungen, und nach einigen Wochen ziehen sich feine Risse vom Ende in den Stamm hinein. Bei Obstholz geht das besonders schnell. Wer daraus Schalen drehen will, sollte das Holz möglichst bald zuschneiden und die Enden schützen.

Die ersten Handgriffe nach dem Fällen

  • Stammstücke etwas länger lassen, als du sie später brauchst. Die äußeren Zentimeter reißen fast immer ein und werden abgesägt.
  • Die Hirnholzflächen sofort versiegeln. Geschmolzenes Wachs, ein spezieller Hirnholzversiegler oder zur Not dick aufgetragener Holzleim bremsen die Verdunstung.
  • Den Stamm längs durch die Mitte auftrennen. Das Mark ist die häufigste Ursache für Sternrisse und sollte deshalb nicht im späteren Rohling landen.
  • Die Stücke im Schatten und nicht direkt auf dem Boden lagern, gut belüftet, aber ohne Zugluft.

Nass vordrehen, dann Geduld haben

Die bewährte Methode für Schalen aus Frischholz ist das Vordrehen. Du drehst den Rohling im nassen Zustand grob in Form, lässt aber eine deutlich dickere Wand stehen, als die fertige Schale haben soll. Als Faustregel gilt eine Wandstärke von etwa einem Zehntel des Durchmessers. Das nasse Holz schneidet sich übrigens herrlich: Lange, feuchte Späne fliegen von der Schalenröhre, und das Eisen bleibt länger scharf als bei trockenem Hartholz. Rechne aber damit, dass du dabei nass wirst. Schürze und Schutzbrille sind hier keine Übervorsicht.

Nach dem Vordrehen muss der Rohling langsam trocknen. Wir stecken ihn in eine Papiertüte, geben die eigenen Späne mit hinein und stellen ihn in einen kühlen Raum. Anfangs wird die Tüte regelmäßig gewendet und das Holz gewogen. Erst wenn sich das Gewicht über mehrere Wochen nicht mehr ändert, ist der Rohling trocken genug. Das dauert je nach Größe einige Monate. Dann hat er sich leicht oval verzogen, und genau dafür war die dicke Wand gedacht: Beim Fertigdrehen wird er wieder rund und bekommt seine endgültige Stärke.

Welches Obstholz wofür?

Apfel ist hart, dicht und nimmt eine sehr feine Oberfläche an. Er neigt allerdings zum Reißen und braucht besonders viel Sorgfalt beim Trocknen. Birne ist gleichmäßiger in der Faser und verzieht sich weniger, die Farbe liegt irgendwo zwischen zartem Rosa und warmem Braun. Zwetschge und Pflaume sind die Diven unter den Obsthölzern: kräftig gemasert, mit rötlichem Kern und hellem Splint, aber sehr rissfreudig. Kirsche ist ebenfalls dankbar zu drehen und dunkelt mit der Zeit schön nach. Für die erste Schale aus Frischholz empfehlen wir Birne.

Übrigens musst du nicht jedes Stück sofort verarbeiten. Kleine Äste taugen später für Griffe, Kreisel oder Stifte, und dünne Abschnitte trocknen auch ohne Vordrehen, solange die Enden versiegelt sind. Wenn du in diesem Herbst an frisches Obstholz kommst, bring es gern zu einem unserer Kurse mit. Dann schauen wir gemeinsam, was darin steckt.

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